Forschungsprojekt Alpaka Farbgen-Panel

Projektziel

Immer wieder führen auch bewährte Anpaarungen zu Überraschungen. Plötzlich tauchen unerwartet Spots auf, es zeigen sich plötzlich hellere Fasern am Hals oder unerklärliche Färbungen der Haut. Ist das ein Zeichen für Appaloosa, für Scheckung oder für Roan? Oder etwas ganz anderes? Alpakas mit dem Genotyp EEaa oder Eeaa könnten und sollten "eigentlich" schwarz sein. Stattdessen sind sie braun oder sogar hellbraun. 

Um diese Fragen zu beantworten, wurde ein Farbgen-Panel ins Leben gerufen. Ziel des Projektes ist es, die Genetik dieser Farbmuster besser zu verstehen und die genetische Verortung zu identifizieren. Wenn das gelingt, wird das ein weiterer Meilenstein in der Alpakazucht sein.

Mit 484 Alpakas aus Zuchtbetrieben in ganz Europa ist dieses Projekt nicht nur europaweit das größte, sondern auch weltweit eines der größten Forschungsprojekte zur Farbgenetik von Alpakas. Einzigartig ist auch die Zusammenarbeit vieler Zuchtbetriebe, die den besonderen Forschungsansatz für diese Studie möglich gemacht haben.

Nicht zu vergessen und zu würdigen ist dabei die jahrelange Arbeit vieler Wissenschaftler weltweit auf diesem Gebiet sowie die Entwicklung des ersten Farbgentests durch Kylie Munyard zusammen mit Neogen. Denn erst die Testung vieler tausend Alpakas ermöglichte einen umfassenden Abgleich zwischen Phänotyp und Genotyp und damit die Grundlage für diese Studie.


Erste Ergebnisse

Die ersten spannenden Ergebnisse liegen vor!

Wie in der Wissenschaft so üblich, wird auch hier "vorsichtig" formuliert. Schließlich weiß niemand ganz genau, ob die Dinge wirklich so sind, wie sie im Moment aussehen. Das zeigen auch die ersten Ergebnisse unserer Studie, die einige der bisherigen Annahmen zur Farbgenetik von Alpakas in Frage stellen oder in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Wichtig dabei ist, dass alles, was bisher untersucht und gemacht wurde, die Voraussetzung für neue Erkenntnisse sind! Und das, was wir heute wissen, ist die Voraussetzung für die Erkenntnisse von morgen! Es geht also nicht um falsch oder richtig, sondern um Fortschritte, die uns helfen, immer besser und genauer zu züchten.


Was haben wir gefunden?

Insgesamt zeigt sich, dass eine Vielfalt an Genen, Genvariationen und Genkombinationen Einfluss auf die Vliesfarbe von Alpakas haben.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse scheint schon jetzt zu sein, dass diese genetischen Varianten und Kombination von außen, also im Phänotyp, praktisch nicht erkennbar sind. Was zum Beispiel bisher als Roan bezeichnet wurde, hat genetisch ganz unterschiedliche Ursachen!

Aufheller-Gen: Ursprung dieser Studie war es, die Ursache für die zum Teil großen Unterschiede zwischen Phänotyp und Genotyp zu finden. Also, zum Beispiel, warum genetisch schwarze Alpakas, braun oder noch heller erscheinen, und was die Ursache für die Variationen in der Farbintensität ist. Wir gehen aktuell davon aus, dass die zum Teil großen Abweichungen zwischen Phänotyp und dem Genotyp der Grundfarbe jetzt erklärbar sind und mehrere, zum Teil ganz unterschiedliche genetische Ursachen und Wechselwirkungen haben kann.

White Spot: Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit konnte das Gen für White Spot identifiziert werden. Interessant dabei ist, dass White Spot im Phänotyp oft gar nicht erkennbar ist. Stattdessen führt dieses Gen vermutlich nicht nur, wie bisher angenommen, zu weißen Spots, sondern kann auch einer Veränderung der Vliesfarbe oder sogar roanähnliche Muster verursachen. 

Scheckung: Auch dieses Gen ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit identifiziert, weist jedoch eine Besonderheit auf, die noch weiter untersucht werden muss. Vermutlich ist Scheckung heterozygot im Phänotyp nicht erkennbar, was erklären würde, dass aus phänotypisch einfarbigen Eltern gescheckte Nachkommen entstehen können.

Appaloosa: Für das Appaloosa-Muster scheinen mehrere Gene zuständig zu sein. Dabei scheint es "echte" Appaloosa-Gene zu geben und solche, die ein Appaloosa-ähnliches Muster verursachen. Das wird in Panel 2 weiter untersucht werden.

Projektbeteiligte

Durchgeführt und wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Universität Tübingen mit den Instituten für Neuroanatomie und Entwicklungsbiologie, Medizinische Genetik und Angewandte Genomik sowie der Genomdatenanalyse und Bioinformatik.

Einen wesentlichen Beitrag haben in den vergangenen 2 Jahren die vielen Zuchtbetriebe geleistet, die ihre Farbgen-Testergebnisse sowie Bilder und Beschreibungen von inzwischen über 1.000 Alpakas zur Verfügung gestellt haben. Erst diese umfassenden Vergleiche und Analysen ermöglichen dieses Projekt.

An Panel 1 waren 14 Farmen aktiv am Projekt beteiligt, die Proben von insgesamt 100 ausgewählten Alpakas mit bestimmten Farbgenotypen und Farbphänotypen zur Verfügung gestellt haben. An Panel 2 sind insgesamt 29 Farmen aus mehreren Ländern Europas mit rund 400 Alpakas.


Beteiligte Farmen


Unterstützende Organisationen

Österreichischen Alpaka Zuchtverband

"Wir als Österreichischer Alpaka Zuchtverband legen großen Wert auf wissenschaftliche Grundlagenforschung im Alpaka Bereich. Ein besseres Verständnis genetischer Zusammenhänge ist essenziell für die nachhaltige Zucht dieser faszinierenden Tiere. Deshalb unterstützen wir mit voller Überzeugung das Forschungsprojekt Alpaka Farbgen-Panel. Durch diese Forschung können wir nicht nur das Wissen über Alpakagenetik erweitern, sondern auch dazu beitragen, eine gezielte und nachhaltige Zuchtstrategie für die Zukunft zu entwickeln.

Wir freuen uns, Teil dieses wegweisenden Projektes zu sein und sind gespannt auf die Ergebnisse!"
Präsident Österreichischer Alpaka Zuchtverband


Französischer Berufsverband der auf Tierfasern beruhenden Industrie

"En tant qu’organisation professionnelle représentative d’une filière fondée sur une fibre animale, nous assumons une triple mission : veiller au respect absolu du bien-être animal, soutenir la pérennité économique de tous les acteurs de la filière, et répondre aux attentes sociétales légitimes liées à nos activités.

Chaque initiative, qu’elle émane du secteur privé, public ou académique, et qui enrichit nos connaissances et notre maîtrise, nous offre des outils précieux pour optimiser la gestion de nos activités.

C’est dans cette perspective que l’Alliance Nationale Interprofessionnelle des Métiers de l’Alpaga soutient activement le projet de recherche sur la génétique des couleurs et des motifs chez l’alpaga. Cette étude permettra aux éleveurs du monde entier de mieux comprendre et gérer leurs programmes de reproduction et à réduire l’incidence des animaux non désirés.

La maîtrise repose d’abord sur la connaissance et l’expertise."

"Als Berufsverband der auf Tierfasern basierenden Industrie verfolgen wir eine dreifache Mission: die uneingeschränkte Achtung des Tierwohls, die Förderung wirtschaftlicher Nachhaltigkeit aller Akteure sowie die Erfüllung berechtigter gesellschaftlicher Erwartungen an unsere Tätigkeit.

Jede Initiative, ob aus dem privaten, öffentlichen oder akademischen Bereich, die unser Wissen und unsere Expertise erweitert, liefert uns wertvolle Instrumente zur Optimierung unserer Arbeit.

Vor diesem Hintergrund unterstützt die Nationale Interprofessionelle Allianz der Alpaka-Branche aktiv das Forschungsprojekt zur Genetik von Farben und Farbmuster bei Alpakas. Diese Studie wird Züchtern weltweit helfen, ihre Zuchtprogramme besser zu verstehen und zu steuern und gezielt auf bestimmte Merkmalen zu züchten.

Expertise basiert in erster Linie auf Wissen und Erfahrung."


Fotos: Spindler